SolarEdge Modbus TCP auslesen: SunSpec-Register und SetApp-Anleitung 2026
SolarEdge Modbus praktisch erklärt: Modbus TCP über SetApp aktivieren, Port 1502, verifizierte SunSpec-Register und Skalierungsfaktoren richtig anwenden.

SolarEdge Wechselrichter lassen sich über Modbus TCP direkt im lokalen Netz auslesen, ohne Umweg über die Hersteller-Cloud. Wer SolarEdge Modbus einmal sauber aktiviert hat, greift Echtzeitwerte wie AC-Wirkleistung, Ertrag und Betriebszustand über den offenen SunSpec-Registersatz ab. Für Installateure ist das mehr als Komfort: Seit dem 1. Januar 2024 gilt §14a EnWG, und ein lokales Energiemanagement braucht die Erzeugungswerte des Wechselrichters in Echtzeit, um steuerbare Lasten wie Wärmepumpen und Ladepunkte zu koordinieren.
Dieser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie die Modbus-TCP-Schnittstelle über SetApp aktivieren, welchen Port SolarEdge verwendet, welche SunSpec-Register wirklich zählen und wie Sie den häufigsten Auslese-Fehler, den vergessenen Skalierungsfaktor, vermeiden. Alle Registeradressen stammen aus der offiziellen SolarEdge SunSpec Logging Technical Note in der Version 3.0 (September 2024), es wurde nichts erfunden.
Was ist Modbus TCP beim SolarEdge Wechselrichter?
Modbus TCP ist eine lokale Netzwerk-Schnittstelle, über die ein SolarEdge Wechselrichter seine Messwerte per Ethernet bereitstellt. SolarEdge implementiert dafür den offenen SunSpec-Standard: eine herstellerneutrale Registerkarte mit festen Adressen für Leistung, Energie, Temperatur und Betriebszustand. Ein Gateway oder Monitoring-System fragt diese Holding-Register ab und erhält dieselben Daten wie das Portal, aber lokal und in Echtzeit.
Weil SunSpec ein offener Standard ist, sind die Adressen öffentlich dokumentiert und über verschiedene Marken hinweg vergleichbar. Wenn Sie die Grundlagen auffrischen möchten, hilft unser Beitrag Modbus TCP erklärt. Den breiteren Rahmen für alle PV-Marken behandelt der Leitfaden Photovoltaik-Monitoring per Modbus.
Voraussetzungen
Bevor Sie SolarEdge Modbus auslesen, prüfen Sie diese Punkte:
- SetApp-fähiges Gerät oder LCD mit Firmware 3.xxxx oder höher. Alle mit SetApp konfigurierten Wechselrichter sind SunSpec-fähig. Ältere LCD-Modelle benötigen mindestens die CPU-Firmware-Version 3.xxxx.
- Ethernet-Verbindung. Der Wechselrichter muss per LAN im selben Subnetz erreichbar sein wie das auslesende System. Eine feste IP oder eine DHCP-Reservierung erspart Ihnen späteres Nachjustieren.
- Read-only-Charakter. Der gesamte SunSpec-Registersatz wird per Read Holding Registers (Funktionscode 03) gelesen. Sie ändern nichts am Wechselrichter, Sie lesen nur.
- Klarheit über den Zweck. Modbus liefert die lokale Datenbasis, ersetzt aber nicht das SolarEdge Portal für Garantie und Firmware-Updates.
Für einphasige HD-Wave-Geräte gilt SunSpec Model 101, für dreiphasige Geräte Model 103. Diese Modellkennung bestimmt später, ab welchem Register Sie lesen.
Modbus TCP über SetApp aktivieren
Modbus TCP ist im Auslieferungszustand deaktiviert. Nach der Aktivierung nutzt SolarEdge standardmäßig TCP-Port 1502. Das ist der wichtigste Merksatz dieses Abschnitts, denn viele Gateways sind ab Werk auf den Modbus-Standardport 502 eingestellt.
- 1
SetApp mit dem Wechselrichter verbinden
Öffnen Sie die SolarEdge SetApp und verbinden Sie sich per WLAN-Hotspot mit dem Wechselrichter. Melden Sie sich mit Ihren Installateur-Zugangsdaten an.
- 2
Standort-Kommunikation öffnen
Navigieren Sie zu Inbetriebnahme > Standort-Kommunikation (Site Communication). Hier liegen alle Kommunikationsschnittstellen des Geräts.
- 3
Modbus (TCP) aktivieren
Wählen Sie Modbus (TCP) und schalten Sie den Server ein. Der Wechselrichter beginnt danach, auf eingehende Modbus-Verbindungen zu antworten.
- 4
Port 1502 bestätigen
Prüfen Sie, dass der Port auf 1502 steht (Standardwert). Tragen Sie genau diesen Port später in Ihr Gateway ein, nicht 502.
- 5
Verbindung testen
Stellen Sie eine Testverbindung auf die IP des Wechselrichters, Port 1502, Unit-ID 1 her und lesen Sie ab Register 40000 den SunSpec-Marker "SunS". Antwortet das Gerät, ist die Schnittstelle aktiv.
Das lokale Modbus-Auslesen läuft parallel zum SolarEdge Portal, nicht an dessen Stelle. Der Wechselrichter kommuniziert weiter über HTTPS mit der SolarEdge Cloud, während Ihr Gateway denselben Wechselrichter lokal auf Port 1502 abfragt.
Alternative: RS485 mit SunSpec
Wenn kein Ethernet verfügbar ist oder Sie den Wechselrichter in eine bestehende serielle Kette einbinden, nutzen Sie stattdessen Modbus RTU über RS485. In SetApp aktivieren Sie dazu unter Standort-Kommunikation die passende Schnittstelle (RS485-1 oder RS485-2), setzen das Protokoll auf SunSpec und vergeben eine eindeutige Geräteadresse.
Bei mehreren Wechselrichtern gilt das übliche Leader-Follower-Prinzip: Ein Gerät kommuniziert als Leader nach außen, weitere Geräte hängen als Follower über RS485 an derselben Kette. Wann RTU und wann TCP die bessere Wahl ist, erklärt der Vergleich Modbus RTU vs Modbus TCP.
Die wichtigsten SunSpec-Register
Der SunSpec-Registersatz beginnt bei Register 40000 mit dem Marker C_SunSpec_ID = "SunS" (Hexwert 0x53756e53). Danach folgt der Common-Block und ab 40069 der Inverter Model Block. Das Register C_SunSpec_DID gibt dort die Modellkennung an: 101 für einphasige Geräte, 102 für Split-Phase, 103 für dreiphasige. Der Modelblock ist 50 Register lang.
| Adres | Naam | Type | Eenheid | R/RW | Beschrijving |
|---|---|---|---|---|---|
| 40069 | C_SunSpec_DID | uint16 | - | R | Modellkennung: 101 einphasig, 102 split-phase, 103 dreiphasig |
| 40083 | I_AC_Power | int16 | W | R | AC-Wirkleistung (Momentanleistung) |
| 40084 | I_AC_Power_SF | int16 | - | R | Skalierungsfaktor zur AC-Wirkleistung |
| 40093 | I_AC_Energy_WH | acc32 | Wh | R | AC-Gesamtenergie (Lifetime), belegt 2 Register |
| 40095 | I_AC_Energy_WH_SF | uint16 | - | R | Skalierungsfaktor zur AC-Gesamtenergie |
| 40100 | I_DC_Power | int16 | W | R | DC-Leistung an der Optimizer-/String-Seite |
| 40103 | I_Temp_Sink | int16 | Grad C | R | Kühlkörpertemperatur (Derating-Indikator) |
| 40107 | I_Status | uint16 | - | R | Betriebszustand (Operating State) |
Registernummerierung: 40001-basiert oder 0-basiert
Ein häufiger Stolperstein ist die Nummerierung. SolarEdge dokumentiert die Karte im 40000er-Bereich (die SunSpec-Map beginnt bei 40001 in der klassischen PLC-Notation, bei 40000 in der 0-basierten Protokoll-Notation). Genau dieser Unterschied von genau eins erklärt, warum dieselbe Quelle I_AC_Power mal bei 40083 und mal bei 40084 nennt: Es ist dieselbe Zelle, nur einmal 0-basiert und einmal 1-basiert gezählt.
Für Ihre Modbus-Engine heißt das: Prüfen Sie, ob Ihre Bibliothek die volle 4xxxx-Nummer erwartet, die Nummer minus 40000 (die reine PDU-Adresse) oder minus 40001. Liegen Ihre Werte konstant ein Register daneben, ist fast immer diese Off-by-one-Konvention die Ursache. Die Adressen in der Tabelle oben verwenden die 0-basierte Protokoll-Notation aus der Technical Note v3.0. Passende Funktionscodes erklärt die Modbus-Funktionscodes-Referenz.
Skalierungsfaktoren richtig anwenden
Der häufigste Auslese-Fehler bei SolarEdge Modbus ist der vergessene Skalierungsfaktor (englisch Scale Factor). Jeder Messwert wird als Ganzzahl geliefert und muss mit seinem zugehörigen SF-Register verrechnet werden. Die Regel lautet:
reeller Wert = Rohwert × 10^(SF)
Ein Beispiel aus der SolarEdge-Dokumentation: Rohwert 2071 mit dem Skalierungsfaktor -2 ergibt 2071 × 10^-2 = 20,71. Ohne diese Korrektur sind Ihre Werte um Zehnerpotenzen falsch, aus 5,5 kW werden 550 W oder 55.000 W.
Wechselrichter (TCP) gegen SolarEdge Modbus-Zähler (RS485)
Ein Missverständnis, das viele Shop- und Herstellerseiten fördern: "SolarEdge Modbus" meint nicht automatisch den Modbus-Zähler. Es gibt zwei getrennte Dinge:
- Das TCP-Auslesen des Wechselrichters selbst (dieser Artikel). Sie lesen die SunSpec-Register des Wechselrichters über Port 1502.
- Den SolarEdge Energy Meter, einen separaten RS485-Modbus-RTU-Zähler für Produktion, Verbrauch und Import/Export. Er wird an den Wechselrichter angeschlossen, und seine Register liegen in eigenen Blöcken (Meter 1 ab etwa 40121). Diese Zählerwerte lesen Sie über dieselbe TCP-Verbindung mit, sie stammen aber physisch vom RTU-Zähler.
Wichtig für die Praxis: Der SolarEdge Modbus-Zähler ersetzt keinen eichrechtlichen Zähler des Netzbetreibers. Er dient dem anlageninternen Monitoring. Welche externen Zähler sich dafür eignen, vergleicht der Beitrag Modbus-Energiezähler im Vergleich.
Typische Installateurs-Fallstricke
Die meisten Probleme beim Auslesen sind immer dieselben:
- Port 1502 gegen 502. SolarEdge lauscht standardmäßig auf 1502, nicht auf dem IANA-Standard 502, den SMA, Fronius und Huawei nutzen. Ein Gateway, das auf 502 steht, läuft still in einen Timeout.
- Vergessener Skalierungsfaktor (siehe oben). Werte um Zehnerpotenzen daneben.
- Off-by-one bei der Registeradresse. 0-basiert gegen 1-basiert prüfen.
- Leader-Follower-Kette. Bei Mehrgeräte-Anlagen kommuniziert nur ein Leader nach außen; Follower hängen über RS485 daran.
- Firmware zu alt. LCD-Geräte unter Version 3.xxxx sind nicht SunSpec-fähig.
Wenn Sie die Daten anschließend in ein Smart-Home- oder Monitoring-System bringen, hilft die Anleitung Home Assistant Modbus-Einbindung, die denselben SunSpec-Satz nutzt.
Warum lokal auslesen? Der regulatorische Rahmen
Zwei Entwicklungen machen das lokale Auslesen für Installateure geschäftsrelevant:
- §14a EnWG, in Kraft seit dem 1. Januar 2024. Netzbetreiber dürfen steuerbare Verbrauchseinrichtungen wie Wärmepumpen und Ladepunkte netzdienlich dimmen. Ein lokales Energiemanagement braucht dafür die Echtzeit-Erzeugungswerte des Wechselrichters, um Erzeugung und steuerbare Lasten zu koordinieren.
- EEG-Direktvermarktung. Anlagen, die ihren Strom direkt vermarkten, benötigen fernauslesbare Echtzeit-Erzeugungsdaten. Mit dem Aufkommen dynamischer Tarife gewinnt das auch für kleinere Anlagen an Bedeutung. Modbus liefert die dafür nötige lokale Datenbasis.
Beides sind Gründe, warum Sie die Wechselrichterdaten unabhängig vom Hersteller-Portal in der eigenen Hand behalten wollen.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Port wird standardmäßig für Modbus in SolarEdge verwendet?
SolarEdge nutzt für Modbus TCP standardmäßig Port 1502, nicht den allgemeinen Modbus-Standardport 502. Der Modbus-TCP-Server ist ab Werk deaktiviert und wird über SetApp unter Standort-Kommunikation eingeschaltet. Tragen Sie in Ihrem Gateway genau Port 1502 ein, sonst bleibt die Verbindung ohne Fehlermeldung erfolglos.
Wie kann ich Modbus TCP auf meinem SolarEdge Wechselrichter testen?
Verbinden Sie sich auf die IP des Wechselrichters, Port 1502, Unit-ID 1, und lesen Sie per Funktionscode 03 ab Register 40000. Erhalten Sie den Marker SunS (Hexwert 0x53756e53), ist die Schnittstelle aktiv. Danach lesen Sie ab 40069 die Modellkennung und die eigentlichen Messregister.
An welchem Port läuft Modbus generell?
Modbus TCP nutzt allgemein den IANA-registrierten Port 502. SolarEdge weicht davon ab und verwendet für seinen Modbus-Server standardmäßig Port 1502. Andere PV-Marken wie SMA, Fronius und Huawei bleiben bei 502. Prüfen Sie deshalb immer die Herstellerangabe, bevor Sie das Gateway konfigurieren.
Ist Modbus dasselbe wie RS485?
Nein. RS485 ist die physikalische Schnittstelle, also die elektrische Signalübertragung über ein verdrilltes Adernpaar. Modbus ist das Protokoll, das darüber läuft. Modbus RTU nutzt RS485, während Modbus TCP über Ethernet läuft. SolarEdge unterstützt beide Wege, TCP über Ethernet und RTU/SunSpec über RS485.
Wie viele Adern braucht man für Modbus?
Bei Modbus RTU über RS485 genügen zwei Signaladern (A und B), oft ergänzt um eine dritte Ader als gemeinsame Masse. Bei Modbus TCP entfällt die serielle Verkabelung, hier nutzen Sie eine normale Ethernet-Verbindung per RJ45. Für SolarEdge über TCP brauchen Sie also nur ein LAN-Kabel.
Ist Modbus noch aktuell?
Ja. Modbus ist trotz seines Alters der De-facto-Standard für lokale Anlagenkommunikation und wird über SunSpec von praktisch allen PV-Herstellern unterstützt. Gerade weil der Registersatz offen und herstellerneutral ist, bleibt Modbus die verlässlichste Basis für markenübergreifendes Monitoring, unabhängig von Cloud-Entscheidungen des Herstellers.
Fazit
SolarEdge Modbus auszulesen ist unkompliziert, sobald Sie die drei Fallstricke kennen: Port 1502 statt 502, die 0-basierte gegen 1-basierte Registernummerierung und den Skalierungsfaktor, der jeden Messwert korrigiert. Mit dem verifizierten SunSpec-Satz aus der Technical Note v3.0 lesen Sie AC-Leistung, Ertrag, DC-Leistung, Temperatur und Betriebszustand zuverlässig aus, lokal und unabhängig vom Portal. Das ist die Datenbasis, die §14a EnWG und die Direktvermarktung heute von einem professionellen PV-Monitoring erwarten. Das ModbusCloud Gateway übernimmt genau diese Aufgabe, pollt den Wechselrichter auf Port 1502 und konsolidiert die Werte inklusive Alerts auf den Registern, die zählen.
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