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Die F-Gase-Verordnung digitales Logbuch-Pflicht hat sich am 11. März 2024 verschoben. Die neue Verordnung (EU) 2024/573 hat die alte 517/2014 abgelöst und rückt die Logbuch-Pflicht ab 5 Tonnen CO2-Äquivalent in den Mittelpunkt der Compliance für jeden Kälte-Klima-Fachbetrieb. Für Betreiber von Filial-Kälteanlagen, gewerblichen Kühlhäuser und Klimasystemen heißt das: ein Excel- oder Papierlogbuch erfüllt die rechtlichen Anforderungen oft nicht mehr, und VDKF, ZVKKW sowie zuständige Umweltbehörden prüfen bei Audits konkret die Nachvollziehbarkeit der Einträge.
Dieser Leitfaden erklärt, welche Daten Artikel 7 von 2024/573 vorschreibt, ab welcher Füllmenge je Kältemittel die Pflicht greift, in welcher Frequenz Dichtheitsprüfungen durchzuführen sind und wie Sie ein Papier-Logbuch in ein Modbus-gespeistes digitales Logbuch überführen, das sich aus den Anlagedaten automatisch befüllt. Beispiele orientieren sich an DACH-Betrieben mit Filial-Kälte (REWE-, Edeka-, Lidl-Format) sowie Industriekälte mit Bitzer-, Bock- oder GEA-Verdichtern.
Wichtigste Punkte
- Unter EU 2024/573 greift die Logbuchpflicht ab 5 t CO2-Äquivalent, was bei R32 bereits ab 7,4 kg Füllmenge gilt und bei R410A ab nur 2,4 kg.
- Das Logbuch enthält acht Pflichtfelder nach Artikel 7: Kältemitteltyp und GWP, Füllmenge, hinzugefügte oder entnommene Mengen, Dichtheitsprüfungs-Ergebnisse, zertifizierte Person, Anlagenidentifikation, Datum jedes Eingriffs, plus erweiterte Pflichten ab 500 t.
- Modbus-Telemetrie von Carel pCO, Danfoss AK-SM 800A oder Bitzer BEST Reglern liefert Druck- und Temperaturdaten, aus denen Drift-basierte Leckdetektion und automatische Logbuch-Einträge entstehen.
Was ist ein F-Gase-Logbuch genau?
Ein F-Gase-Logbuch ist die in Artikel 7 der Verordnung (EU) 2024/573 vorgeschriebene Anlagedokumentation, die jeder Betreiber von Kälte-, Klima- oder Wärmepumpen-Anlagen mit fluorierten Treibhausgasen führen muss. Die Verordnung selbst spricht von "Aufzeichnungen", in der DACH-Praxis hat sich der Begriff "Logbuch" durchgesetzt, gestützt durch das VDKF-LEC Tool, das in deutschen Kälte-Klima-Fachbetrieben Quasi-Standard ist.
Zuständig für die Aufsicht sind die Landesumweltbehörden in Deutschland sowie das Umweltbundesamt für bundesweite Themen (Quelle: umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/fluorierte-treibhausgase-fckw). Die nationale Umsetzung erfolgt über die ChemKlimaschutzV (Chemikalien-Klimaschutzverordnung), die das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und Verbraucherschutz 2025/2026 als Folge der neuen EU-Verordnung überarbeitet. Sanktionen sind in der ChemSanktionsV geregelt, die bereits 2024 angepasst wurde.
Ab welcher Füllmenge wird das digitale Logbuch Pflicht?
Die Schwelle liegt bei 5 t CO2-Äquivalent, unabhängig vom Kältemittel. Da das Global Warming Potential (GWP) je Kältemittel stark variiert, greift dieselbe Schwelle bei Hoch-GWP-Gasen bereits bei wenigen Kilogramm Füllmenge, während bei natürlichen Kältemitteln erst bei mehreren hundert Kilogramm Füllmenge die Pflicht entsteht.
Konkret: ein Viessmann Vitocal 250-A Wärmepumpensystem mit 1,7 kg R32 (GWP 675) liegt bei 1,1 t CO2-Äq, also unter der Schwelle. Eine Filial-Kälteanlage in einem Edeka-Markt mit 8 kg R410A liegt bereits bei 16,7 t CO2-Äq und damit klar logbuchpflichtig. Eine Industriekälteanlage mit 200 kg R290 (Propan, GWP 3) erreicht nur 0,6 t CO2-Äq und wäre allein nach CO2-Äquivalent unter der Schwelle (die Sicherheitsregeln nach DIN EN 378 für Brandgas sind davon getrennt zu betrachten).
GWP-Werte stammen aus dem IPCC Fifth Assessment Report (AR5), den die Verordnung als Referenz benennt. Für den Anlagenmonteur lassen sich Logbuchpflicht und Prüfintervall direkt vom Typschild ablesen: Kältemittelcode plus Füllmenge ergibt eindeutig die CO2-Äq-Klasse.
Welche Inhalte schreibt Artikel 7 vor?
Artikel 7 Abs. 2 von 2024/573 verlangt je Anlage folgende strukturierte Eintragungen. Ein digitales Logbuch muss diese acht Felder reproduzierbar speichern, damit sie bei Behörden- oder VDKF-Audits zugänglich sind.
- 1
Kältemitteltyp und GWP
Handelsname (z.B. R32, R454B), GWP nach AR5, CAS-Nummer bei Gemischen.
- 2
Füllmenge bei Inbetriebnahme
Kilogramm plus berechnetes CO2-Äquivalent. Bei späteren Nachfüllungen die Mengen vor und nach Eingriff.
- 3
Hinzugefügte und entnommene Mengen
Pro Serviceeingriff: kg hinzugefügt, kg rückgewonnen, Herkunft (Neuware, gereinigt, recycelt).
- 4
Dichtheitsprüfungs-Ergebnisse
Datum, Methode (Schaumtest, elektronisches Schnüffelgerät, Druck-Monitoring), Befund.
- 5
Daten der zertifizierten Person
Name, Sachkundenachweis-Nummer nach ChemKlimaschutzV, Datum, Betrieb mit Betriebszertifikat.
- 6
Anlagenidentifikation
Standort, Seriennummer, Verdichter- und Kondensator-Typ, Kälteleistung in kW.
- 7
Datum und Art jedes Eingriffs
Reparaturen, Wartung, Inbetriebnahme, Außerbetriebnahme.
- 8
Zusatzpflichten ab 500 t CO2-Äq
Permanentes Leckage-Erkennungssystem-Logging, jährlicher Prüferbericht durch unabhängigen Auditor (Art. 5 Abs. 4 und 6 i.V.m. Anhang IV).
Die Kältetechnik-Monitoring und F-Gase-Compliance Pillar-Seite zeigt, wie diese Felder an ERP-, Service- und Cloud-Plattformen angebunden werden.
Wie häufig sind Dichtheitsprüfungen nach 2024/573?
Artikel 5 koppelt die Frequenz der Dichtheitsprüfungen an die Anlagengröße in t CO2-Äq und an das Vorhandensein eines permanenten Leckage-Erkennungssystems. Die Untergrenze bleibt 5 t.
Für eine Anlage zwischen 5 und 50 t CO2-Äq bedeutet das mindestens alle 12 Monate eine Dichtheitsprüfung; mit einem fest installierten Leckage-Erkennungssystem reicht alle 24 Monate. Ab 500 t wird das Leckage-Erkennungssystem zur gesetzlichen Pflicht. Die Verdoppelung gilt nur, wenn das System dauerhaft installiert ist und seine Messwerte ins Logbuch einträgt; ein während der Wartung mitgebrachtes Schnüffelgerät zählt nicht.
In der DACH-Praxis zeigen sich bei Audits drei häufige Fehler:
- Prüfintervall wird auf Basis kg Füllmenge berechnet statt auf CO2-Äq.
- Jährliche Prüfung wird kalendarisch geplant statt vom letzten Prüfdatum aus.
- Leckage-Erkennungssystem wird beansprucht, aber die Messdatensätze fehlen, sodass die Verdoppelung beim Audit nicht anerkannt wird.
Darf ein digitales Logbuch das Papier-Logbuch ersetzen?
Ja. Artikel 7 Abs. 4 der 2024/573 erlaubt die Aufbewahrung "in physischer oder elektronischer Form", solange die Daten dem zuständigen Behörden auf Anfrage in angemessener Frist zur Verfügung stehen und mindestens fünf Jahre nach dem letzten Eintrag erhalten bleiben. Das Umweltbundesamt bestätigt diese Lesart in seiner Erläuterung zur Verordnung. VDKF und ZVKKW akzeptieren digitale Logbücher bei Betriebsaudits, vorausgesetzt die folgenden drei Bedingungen sind erfüllt:
- Authentizität: Jeder Eintrag ist einer Person (Sachkundenachweis-Nummer) und einem nicht rückwirkend änderbaren Zeitstempel zugeordnet. Audit-Trail oder Append-Only-Log.
- Verfügbarkeit: Daten können binnen 24 Stunden in maschinenlesbarem Format (CSV, PDF, XML) bereitgestellt werden, EU-Serverstandort empfohlen.
- Fünf Jahre Aufbewahrung: Auch nach Außerbetriebnahme bleiben die Daten lesbar.
Verbreitete digitale Logbücher in DACH sind das VDKF-LEC des Verbandes (vdkf-lec.de) als Quasi-Standard, FGasLog (kaeltemittel-logbuch.de) als SaaS-Alternative, sowie herstellergebundene Tools (Daikin, Viessmann eigene Apps). Keines dieser Tools speist sich automatisch aus den Reglerdaten der Anlage; sie hängen alle an der manuellen Eingabe des Monteurs.
Vom Papier-Logbuch zum Modbus-gespeisten Monitoring
Der echte Gewinn entsteht nicht beim Digitalisieren des Formulars, sondern beim Anbinden der Anlagensteuerung an das Logbuch. Praktisch jeder moderne Kälteanlagen-Regler (Carel pCO, Danfoss AK-SM 800A, Bitzer BEST, Eliwell EWCM) verfügt über Modbus RTU oder TCP, über den Saug- und Hochdruck, Verdichterlaufzeit, Verdampfungstemperatur und Alarmstatus auslesbar sind. Diese Daten speisen zwei Logbuch-Kategorien:
- Dichtheitsnachweis durch Drift-Erkennung: ein langsamer Druckabfall bei konstantem Lastprofil zusammen mit verlängerter Verdichterlaufzeit kündigt ein Leck Wochen vor der nächsten Pflichtprüfung an. Diese Drift sehen Sie in der Messhistorie, und ein Schwellenwertalarm knapp unter dem normalen Druck meldet sie früh.
- Service-Auslösung: ein Alarmcode am Regler löst einen zeitgestempelten Alarm aus; der Monteur trägt nach dem Vor-Ort-Eingriff Art der Arbeit, kg-Bewegung und seinen Sachkundenachweis ins Logbuch ein.
Was das ein durchschnittlicher Kälte-Klima-Fachbetrieb mit 80 bis 150 Filial-Anlagen liefert: mindestens 30 Minuten pro Anlage und Jahr Einsparung bei der manuellen Logbuchpflege (Quelle: VDKF Jahresbericht 2024), zusätzlich rund 35 Prozent weniger Kältemittelverlust durch frühere Lecksdetektion über Drift-Monitoring (Quelle: European Commission Impact Assessment 2022 zur 2024/573).
Die ModbusCloud Gateway liest Modbus RTU oder TCP von praktisch jedem Kälteanlagen-Regler aus und leitet die Telemetrie über einen ausgehenden TLS-Tunnel an das ModbusCloud-Portal. Siehe auch unsere Modbus-Benachrichtigungen einrichten Anleitung für Schwellenwertkonfiguration speziell für Leckdetektion.
Sanktionen und VDKF-Audit-Praxis
Die ChemSanktionsV regelt Bußgelder bei Verstößen gegen die F-Gase-Pflichten. Fehlende oder unvollständige Logbücher werden mit bis zu 50.000 EUR je Verstoß geahndet (BMUV). VDKF-Mitgliederaudits gehen tiefer als die Behördenprüfung: sie prüfen, ob die Logbücher intern mit Rechnungen, Kältemittelbuchhaltung und der jährlichen Kältemittelbilanz übereinstimmen. Ein digitales Logbuch, das an ERP gekoppelt ist, schließt diese Konsistenzprüfung automatisch.
Per 2025 führen in Deutschland etwa 5.500 zertifizierte Kälte-Klima-Fachbetriebe (VDKF und ZVKKW kombiniert) interne Audits durch, die ohne digitales Logbuch praktisch nicht durchführbar sind. Wer aktuell noch mit Excel arbeitet, sollte den Umstieg vor dem nächsten geplanten Audit einplanen, idealerweise im Q3/Q4 wenn die Jahresberichts-Frist am 31. März noch weit ist.
Häufig gestellte Fragen
Was fällt unter die F-Gase-Verordnung?
Stationäre Kälte-, Klima- und Wärmepumpen-Anlagen mit fluorierten Treibhausgasen, plus mobile Klimaanlagen in Kühl-LKWs und Industriegeräte. Ab 5 Tonnen CO2-Äquivalent entstehen Logbuch- und Dichtheitsprüfungspflichten.
Ab welcher Füllmenge gilt die Logbuchpflicht?
Ab 5 Tonnen CO2-Äquivalent. Bei R32 sind das 7,4 kg, bei R410A nur 2,4 kg, bei R404A bereits 1,3 kg. Bei natürlichen Kältemitteln wie R290 (Propan, GWP 3) oder R744 (CO2, GWP 1) liegt die kg-Schwelle deutlich höher.
Ist ein digitales Logbuch zulässig?
Ja, Artikel 7 Absatz 4 der Verordnung (EU) 2024/573 erlaubt explizit elektronische Aufbewahrung. Voraussetzung sind Authentizität (Audit-Trail), Verfügbarkeit binnen 24 Stunden in maschinenlesbarem Format und eine fünfjährige Mindestaufbewahrung.
Wie oft muss eine Dichtheitsprüfung durchgeführt werden?
Zwischen 5 und 50 t CO2-Äq mindestens alle 12 Monate, zwischen 50 und 500 t alle 6 Monate, ab 500 t alle 3 Monate. Mit fest installiertem Leckage-Erkennungssystem verdoppeln sich die Intervalle, sofern die Detektionsdaten ins Logbuch fließen.
Was muss mindestens im Logbuch stehen?
Acht Felder nach Artikel 7: Kältemitteltyp und GWP, Füllmenge, hinzugefügte oder entnommene Mengen, Dichtheitsprüfungsergebnisse, Daten der zertifizierten Person, Anlagenidentifikation, Datum und Art des Eingriffs, sowie Zusatzpflichten ab 500 t.
Welche Strafen drohen bei fehlendem Logbuch?
Bis zu 50.000 EUR pro Verstoß nach ChemSanktionsV. VDKF- und ZVKKW-Mitgliedsbetriebe riskieren zudem Verlust des Betriebszertifikats, was die Ausführung kältetechnischer Arbeiten an gewerblichen Anlagen rechtlich unmöglich macht.
Wie binde ich Modbus-Daten an das Logbuch an?
Ein Modbus-Gateway liest die Anlagensteuerung (Carel pCO, Danfoss AK-SM, Bitzer BEST) aus und pusht Druck-, Temperatur- und Alarmdaten in die Cloud. Dort entstehen zeitgestempelte Alarme und eine Messhistorie als Nachweis; die Logbuch-Einträge mit Mengen- und Personenangaben trägt der Monteur nach dem Vor-Ort-Eingriff selbst ein.











